Wintersemester 2020/2021

 


Melancholie der Einsamkeit

Erzählungen von Anton Tschechow

 

Am Ende, wenn alle Träume und Sehnsüchte in Wehmut und Vergeblichkeit aufgelöst sind, am Ende seines ersten Dramas „Platonow“ lässt Tschechow seine Gutsbesitzerin Anna Petrowna in einer Abschiedsszene herauspressen „...was wird aus mir. Ich will die Frau von jemand sein, oder die Geliebte von jemand, oder die Mutter von jemand.“ Das Gespenst von Einsamkeit steht vor ihr. Ein Jemand könnte – müsste – ihre Not lindern. Die „Liebe“, egal welcher Couleur, wird als Nothelferin angerufen: sie gilt als der Kitt, der eine imaginierte Nähe versiegelt.

Verzweiflung prägt diese immer wiederkehrenden Szenen in Tschechow’s Werk. Melancholie beschreibt den gegensätzlichen Gemütszustand; Poesie ist ihre Ausdrucksform. Sie betrachtet mit Wohlwollen die Gründe für die ungelebten Gefühle, und auch die Wehmut über den Leerlauf des Bemühens ist ihr nicht fremd. Anton Tschechow ist ein Meister solcher Reflexionen: Immer wieder findet er Konstellationen, die jene „Einsamkeit wie der – abnehmende - Mond am Himmel“ illustrieren; nicht nur bei seinen weiblichen Figuren !

 

Ich biete Ihnen an eine Reise durch das erzählerische Werk Anton Tschechow’s; sie mag sich gelegentlich überschneiden mit einer Reise zu uns selbst.

 

Die Erzählungen liegen in zahlreichen Ausgaben vor. Empfehlenswert wäre die aus dem Aufbau-Verlag (2009) : “Die schönsten Erzählungen“ , da sie 4 von den 6 Texten beinhaltet, die wir lesen wollen. Die zwei anderen werde ich in einem Reader für Sie bereithalten.

Sie können alle Sammlungen, die sich in Ihrem Bücherschrank finden lassen, benutzen, sofern sie folgende Titel umfassen:

¨    „Der Mensch im Futteral“

¨    „Herzchen“

¨    „Die Dame mit dem Hündchen“

¨    „Die Braut“

¨    „Ein Weiberreich“

¨    „In der Nacht auf Weihnachten“

 Wir beginnen mit „Herzchen“. 


Die Vorlesung findet online statt.